Android UI Guidelines .. neuer Versuch .. gescheitert!

Freitag, 05. November 2010
Als Android UX Designer hat man es ja sowieso nicht so leicht. Während sich die iPhone UX Guidelines seit gefühlten 10 Jahren nicht mehr geändert haben und die hundertseitigen WindowsPhone7 UX Guidelines 3 Monate vor dem ersten Device herauskommen, gibt es für Android auch nach 3 Jahren nichts vergleichbares. developer.android.com liefert hier ein paar lächerliche Gestaltungstipps für Icons und Widgets. That's it.

Einen Hoffnungsschimmer gab die Google I/O 2010. In einer Session über UI-Design saßen u.A. die Macher der neuen Twitter-App und präsentierten stolz das neue, wegweisende UI-Konzept mit Dashboard, Actionbar und Quickactions. Das zuvor propagierte Konzept der Tabs wurde diesem Moment abgelößt.[gallery-->


Das Android UX-Team bei uns freute sich. Endlich war mit Twitter eine App im Store, die als Referenz dienen kann. Endlich war der Weg bereitet, für eine einheitlichere Erwartungshaltung in der Android-UI bei den Usern. Was eigentlich nur noch fehlte war eine feste Implementierung der neuen UI-Elemente in die Android SDK.

Heute kam der Rückschlag: Twitter for Android - eine schlechte Kopie der iPhone Version

Die Freude war zunächst groß: Die wegweisende Twitter-App bekommt ein fettes Update, man findet die neue Version im Store. Doch kaum hatten wir die neue Feed-Ansicht aufgerufen, wunderten wir uns sehr, wo die ganzen Funktionen geblieben waren... Retweet, Weiterleiten, Favorit ... Nach ein Bißchen rumdrücken passierte es eher zufällig.

Man hatte die schönen, gelobten, Android-typischen Quickactions einfach gegen eine rechts-links-wisch-Geste getauscht, offenbar in Anlehnung an die Twitter iPhone App. Kein Hinweis, wo sich die Funktionen befinden, kein "touchy" UI-Element und auch sonst alles, was man sonst noch so an Usability-Fehlern machen kann. Das einzige, was die Funktionsänderung rechtfertigt ist die Vergleichbarkeit mit der iPhone-App. Aber wieviele Android-User haben denn auf dem iPhone die Twitter-App "studiert", bevor die sie dann auf ihrem grünen Roboter nutzen? Zu allem Überfluss ist die Funktion in der Android-Version auch noch deutlich schlechter umgesetzt als auf dem iPhone. Nur mit Glück klappt die neue Geste, selbst wenn man es vom iPhone her kennt.

Wie dem auch sei, es hilft kein Jammern. Für uns als Android UX'ler bedeutet es einfach weiterhin: Jede App wird eigene Standards setzen, auf längerfristig gelerntes Userverhalten wie bei anderen Plattformen kann man nicht hoffen. Konzeption für Android war schon immer schwieriger als fürs iPhone. Mit den Tablets wird es dann so richtig lustig. Momentan liegen die Hoffnungen auf Matias Duarte, dem ehemaligen Chef-UX-Experten von Palm, der seit Mitte des Jahres versucht Android 3.0 "Gingerbread" eine bessere Oberfläche zu verpassen.

Aber die eine Frage darf doch erlaubt sein: Warum erst mit Version 3.0?

Btw: Happy Birthday Android!

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.