Spannende Diskussionen um die Zukunft der Mobilität

Mittwoch, 7. Februar 2018

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Wenn über die Zukunft von Mobilität gesprochen und Modellregionen aufgebaut werden, dann meist in Berlin, München, Hamburg oder Stuttgart. Die Digitalisierungsinitiative der Bundesregierung und der Aufbau des DE:HUB Mobility in München haben uns in dieser Wahrnehmung bestärkt.

Mit dem CNA e.V. existiert in Nürnberg seit über 20 Jahren ein Innovationsnetzwerk von Unternehmen aus dem Bereich Mobilität, das sehr erfolgreiche Projekte umsetzt. Zuletzt wurde mit dem Pilotprojekt “Mikro Depot” deutschlandweit Aufmerksamkeit erzielt. Auch andere Initiativen wie Bayern Innovativ oder die eMobilisten treiben das Thema Zukunft der Mobilität voran. Aber es fehlt in unseren Augen die öffentliche Wahrnehmung und ein offener Raum zum gemeinsamen Experimentieren.

Da wir von insertEFFECT als Software-Unternehmen das Prinzip “Build-Measure-Learn” in unserer DNA tragen und der Überzeugung sind, dass wir durch Experimentieren und die Einbeziehung des Nutzers bessere Lösungen entwickeln können, wollen wir diese Lücke schließen. Denn ein Wandel braucht Begeisterung der Menschen und diese entsteht durch das eigene Erleben!

Im Rahmen der von insertEFFECT organisierten Veranstaltung Future Mobility Days trafen sich am 10. Februar 2017 über 30 Akteure aus dem Bereich der Mobilität zum Austausch über die Gründung eines lokalen Experimentierfeldes für neue Mobilitätsformen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und gemeinsamen Brunch, wurden in einer angepassten „World Café“ Methodik folgende vier Aspekte rund um das “Experimentierfeld” in Gruppen diskutiert:

  • New Mobility – Anspruch vs. Wirklichkeit
  • Barrieren für New Mobility – rechtlich & sozial
  • Wie kann ein Experimentierfeld langfristig erfolgreich sein?
  • Was passiert dort? Wer profitiert? Mit Wem? Für Wen?

Der Grundtenor war schnell gefunden. Ein lokales Experimentierfeld ist wünschenswert. Um nicht auf einmal das große Ganze anzupacken, sondern schneller zu sein, sollen kleine Projekte entwickelt und bei Bedarf auf existierende Organisationen aus dem Teilnehmerfeld als Träger zurückgegriffen werden. Als Namen des Experimentierfelds hat man sich auf NMnue geeinigt. Diese Abkürzung steht für “Neue Mobilität in der Metropolregion Nürnberg”. Mit dem Zollhof Nürnberg steht der neue Tech-Inkubator als Treffpunkt zur Verfügung. Dafür sagen wir herzlichen Dank!

Wir freuen uns über die hochkarätigen Gründungsmitglieder des offenen Experimentierfeldes, bestehend aus: Z.DB, CNA e.V, Bayern Innovativ, ADAC Nordbayern e.V., Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS, TU Ilmenau, FAU Erlangen-Nürnberg, OHM Nürnberg, Otto-Friedrich-University Bamberg, Digitales Gründerzentrum Zollhof, NIK e.V., ccunirent Systems GmbH, PBConsult, VAG, N-Ergie IT GmbH, EMN, Energieregion Nürnberg, Urban Lab, IHK Mittelfranken, Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Scouter / Share Group GmbH, MHP, REHAU AG.

Nachdem der Grundstein für das NMnue gelegt wurde, traf sich das Netzwerk im April wieder, um Ideen für „Schnellboot-Projekte“ mit echten Kunden und echten Produkten zu sammeln.

Folgende Projekt-Ideen werden seitdem in Arbeitsgruppen weiter verfolgt:

1. „Flexible Rabatte in einem ÖPNV Tarifsystem” – Ideengeber ist Prof. Dr. Harald Kipke, OHM Nürnberg

Das Ziel ist, mehr Transparenz für den Kunden zu schaffen. Er soll sehen, wie sich sein Nutzungsverhalten auf die Preisgestaltung auswirkt. Statt diverser Rabattsysteme wie Wochen- und Monatskarten, soll nur noch ein alles integrierendes System entwickelt werden, um die Komplexität für den Nutzer zu reduzieren. Dies soll durch einen Algorithmus, der aus den existierenden Rabattsystemen durch die Nutzungshäufigkeit, Intensität und Strecken einen individuellen Preis berechnet und das Ticketing übernimmt, realisiert werden. Der ÖPNV soll dadurch keine Einnahmen verlieren, sondern attraktiver / einfacher zu nutzen sein.
Derzeit befindet sich eine erste Test-App im Entwicklungsstadium und Gespräche mit ÖPNV Anbietern sollen geführt werden.

2. „MaaS Testprojekt nach Vorbild Whim (Helsinki)“ – Ideengeber Dr. Werner Enser und Philipp Fischer, CNA e.V.

Einer Testgruppe von 20 bis 30 Personen soll in Nürnberg eine Art Mobilitätsflatrate mit Punktesystem zur Nutzung von ÖPNV, Bike- und Carsharing und, wenn möglich, auch Taxifahrten zur Verfügung gestellt werden, um die Veränderung im Nutzungsverhalten zu erforschen und das Zusammenspiel der Stakeholder zu erkunden.
Ein erstes Konzept hierfür wurde erarbeitet und die wissenschaftliche Begleitung durch Lehrstühle der OHM und TU Ilmenau sichergestellt. Nun stehen Gespräche mit Mobilitätsanbietern vor Ort und der Stadt an. Auch muss noch eine einfache technische Lösung erarbeitet, die Frage der Finanzierung geklärt und ein Betreiber für den Test gefunden werden. Erst dann kann eine Testgruppe gebildet werden.

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3. “Bürgermeinung und Mobilitätsverhalten erkunden“ – Ideengeber Josef Stoll, MHP

Mit dem Software-Tool „Insights“ soll in allen Projekten der Initiative die Meinung der Gesellschaft zu Aktivitäten und Pilotprojekten abgefragt werden. Dies kann durch eine Erkundung des Mobilitätsverhaltens mit der App „Modalyzer“ des InnoZ ergänzt werden, um damit Entscheidungsgrundlagen zu erhalten. Sobald die Projektideen den Umsetzungsstatus erreicht haben, werden die Tools angewendet.

Eine weitere Idee war ein autonomer Bus, der in der Altstadt von Nürnberg auf einer öffentlichen Teststrecke fährt. Jedoch ist dieses Projekt derzeit für den losen Verbund zu aufwendig und kostspielig, um durchgeführt zu werden.

Als offenes Experimentierfeld sind wir auf der Suche nach weiteren Ideen zur Zukunft der Mobilität. Bei Interesse kannst Du Dich mit Deiner Idee an den Koordinator von NMnue, Andreas Fehr, wenden: andreas.fehr@inserteffect.com