Ich kaufe eine Bildergalerie, einen Login und ein Autovervollständigen.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Wer kennt es noch? Das Glücksrad? Lief früher auf Sat 1. Die Kandidaten haben das Glücksrad mit verschiedenen Geldsummen gedreht und konnten dann einen Konsonanten wählen. Abhängig davon, ob dieser in dem gesuchten Begriff vorkam, wurde dann die Geldsumme auf ihrem Konto gutgeschrieben. Vokale wurden meist mit „Ich kaufe ein E“ gekauft. Wer das Rästel lösen konnte, konnte danach shoppen gehen.

 

Weshalb schafft es jetzt das Glücksrad auf unser Blog? Wir haben vor einiger Zeit die Buy-A-Feature-Methode erfolgreich in einem Kunden-Workshop durchgeführt. Vom Prinzip her ähnlich, allerdings kann man sich keine Waschmaschinen oder Staubsauger kaufen, sondern Features.

Um was geht’s?

Die Buy-A-Feature-Methode hat das Ziel, Features zu priorisieren. Außerdem soll sie sichtbar machen, bei welchen Features es sich um „Monsterfeatures“ aus Auftraggeber-, Entwicklung- oder Usabilitysicht handelt. Ein „Monsterfeature“ kann für hohen Umsatz sorgen oder die Benutzbarkeit des Produkts erhöhen. Gleichzeitig kann es in der Umsetzung sehr aufwändig und somit teuer sein.

Wie funktioniert das?

Bei uns kam die Buy-A-Feature-Methode in einem Workshop mit FEGA & Schmitt zum Einsatz. Dieser fand nach einem ersten Kennenlernen statt und hatte unter anderem das Ziel, den Funktionsumfang der iOS- und Android-Apps festzulegen und zu priorisieren, da der Zeitplan eng war. Teilgenommen haben Stefanie Wegmann von FEGA & Schmitt, Caro aus dem Vertrieb, Roli und Martin stellvertretend für die Entwicklung und ich, verantwortlich für Usability, Konzept und Design. Zunächst erklärte Caro, die Moderatorin, die Spielregeln:

– Die Featureliste wird auf den Tisch gelegt und ggf. noch erweitert / erklärt.
– Jede/r bekommt Geld, mit dem Features gekauft werden.
– Es gibt keine Währung.
– Der Preis kann auf Geschäftswert / Entwicklungsaufwand / Nutzerwert etc. basieren.
– Jede/r hat 10 Minuten Zeit, die Features zu kaufen.
– Nach den 10 Minuten erklärt jede/r, weshalb und warum er/sie das Feature für den genannten Betrag kaufen würde.

Danach begann Stefanie, die Kundin, Features zu kaufen. Sie hatte dafür folgende Scheine zur Verfügung:

– 6 x Schein 1

– 3 x Schein 5

– 3 x Schein 10

– 2 x Schein 50

– 1 x Schein 500

Bei der Auswahl der Scheine haben wir darauf geachtet, dass man sich auf alle Fälle entscheiden muss, welches Feature man gerne hätte. Während des Verteilens hat sie bereits erklärt, warum sie sich für bzw. gegen ein Feature entschieden hat.

Den gleichen Durchlauf haben dann Roli und Martin gemacht, da es wichtig ist, Team-Mitglieder zu Wort kommenzulassen. Während sie ihre Scheine verteilt haben, konnten sie bereits kurz anschneiden, weshalb zum Beispiel der „Barcodescanner“ oder „Filiale in der Nähe anzeigen“ teuer ist, dagegen „Warenkorb speichern“ eher günstig.

Last, but not least habe ich dann noch die Features aus Usability-Sicht gekauft. Den Barcodescanner habe ich mit dem 500-Schein gekauft, weil bekanntermaßen Texteingabe auf mobilen Endgeräten Zeit rauben kann und oft auch frustrierend ist.

Stefanies Fazit

„Es war eine spannende neue Erfahrung und besonders hilfreich, da man direkt vor Augen hatte wie unterschiedlich die Features von den verschiedenen Bereichen bewertet werden. Besonders wertvoll waren dabei auch die Erläuterung zu den Gründen für die Bewertung.“

Unser Fazit

Erstmal Danke an Stefanie, dass sie bereit war, diese spielerische Methode zusammen mit uns durchzuführen.

Unser Eindruck von der Buy-A-Feature-Methode war sehr positiv. Mit einfachen Mitteln kann man den Kunden dazu anregen, sich Gedanken zu „Was will ich auf jeden Fall in der App haben“ zu machen . Aber auch das Entwickler-Feedback ist sehr wertvoll, damit der Kunde versteht, weshalb die Umsetzung eines Features entsprechend teuer sein kann. Um letztendlich den Kreis zu schließen und auch die Nutzersicht zu berücksichtigen, sollte immer auch ein Usability-Experte an dem Workshop teilnehmen. Es ist auch möglich, das Ganze auszuweiten und mit realen Nutzern die Buy-A-Feature-Methode anzuwenden.

Zum Schluss muss ich einfach auch noch sagen, dass so ein Workshop mit spielerischen Elementen Spaß macht!

Übrigens die Apps sind mitterweile umgesetzt und in den jeweiligen Stores zu finden:

Link zur Android-App im Google Play Store: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.fega.shop

Link zur iOS-App in Apples App Store: https://itunes.apple.com/de/app/fega-schmitt/id915746911?mt=8

Noch eine kleine Anmerkung dazu: Zielgruppe der App sind bereits registrierte Fega-&-Schmitt-Kunden/Händler.

Nina