Konzeption in Mobile Web und Social Web – Interview

Sonntag, 12. Juli 2009



Stefan von Gagern vom PAGE Magazin hat mich letzte Woche für einen Artikel zum Titelthema  „Konzeption“ interviewt. Der ganze Artikel mit Statements aus verschiedenen Agenturen zu dem Thema ist sehr lesenswert und findet sich in der kommenden Ausgabe des PAGE Magazins (8.09).

Hier die Fragen und Antworten …

> – Web 2.0, Social Media, Mash-Ups, Microblogging, Video, Mobile Apps…Die Web-Technologien, Plattformen und Kanäle werden heute immer vielfältiger und anspruchsvoller. Wie behalten Sie den Überblick? Wird Ihre Aufgabe dadurch immer anspruchsvoller?

Ja, immer anspruchsvoller, aber auch immer spannender.
Meine Art auf dem neuesten Stand zu bleiben ist ein gut sortierter RSS-Feed auf dem Homescreen meines Handys. So wird jede Busfahrt zur Technologie-Recherche.

Auch wenn es oft sehr verlockend ist, so eine neue Technologie, API, Tool gleich anhand eines Testprojekts auszuprobieren, versuchen wir, den Dingen erstmal ein paar Wochen Zeit zu geben. Nicht jede API hält das was sie verspricht.

Das schwierige für uns als Entwickler und Konzeptioner ist der Spagat zwischen Hochspezialisiert und Tausendsassa. Viele Kunden würden es sicher gerne sehen, wenn wir hochspezialisiert z.B. NUR Facebook-Applikationen anbieten würden. Andere wünschen sich die ganze Palette der „neuen“ Webtechnologien von MobileWeb über Widgets bis hin zur „normalen“ Community mit CMS und Design.

Unser Lösungsansatz ist zu bei jeder Technologie zu prüfen, wie weit sich von unseren Kernkompetenzen entfernt ist. Gegebenenfalls greifen wir auch externe Entwickler und Konzeptioner zurück.

> Haben Sie als Konzeptioner Spezialgebiete? Sollte sich ein Konzeptioner auf bestimmte Technologien etc. spezialisieren oder breit aufstellen?

Jeder Konzeptioner bei uns hat in der Tat seine Spezialgebiete. So haben wir im Team z.B. Experten für Mobile Web, Widgets, Social Web (Facebook/OpenSocial/Twitter) und Mash Ups. Im ständigen Austausch miteinander bekommt man aber einen sehr guten Überblick worauf es in den anderen Bereichen ankommt.

> Sie konzipieren mobile Websites, Widgets und auch iPhone Apps. Wie unterscheidet sich dabei die Konzeptionsphase von der Konzeption stationärer Websites? Zb. Spielt bei mobilen Anwendungen die Technik eine größere Rolle?

Im Mobile-Bereich geht es zunächst oft darum, dem Kunden die Augen zu öffnen. Vieles was technisch machbar ist und was viele Versprechen, macht für den Kunden (noch) nicht wirklich Sinn.

Der größte Unterschied in der Konzeption von mobilen zu klassischen Webseiten ist, das man sich von Anfang an über die Endgeräte Gedanken macht, mit denen die Anwendung genutzt wird. Touchscreen „ja“ oder „nein“ zum Beispiel beeinflusst das Interfacedesign elementar.

> Was macht die Konzeption mobiler Anwendungen besonders anspruchsvoll?

Noch mehr als im klassischen Web muß man die Trends kennen. Welche Geräte sind gerade angesagt und welche werden es morgen ein? Welche Zielgruppe nutzt vorwiegend welche Handys?

Durch die kurzen Entwicklungszyklen bei den mobilen Endgeräten entstehen laufend neue Problemstellungen, auf die man technisch und konzeptionell vorbereitet sein muß.

> Was ist der richtige Start für das Projekt?

Ein guter Kaffee und gutes Bauchgefühl bei Kunde und Dienstleister.

> Wie gehen Sie bei der Konzeption vor? (Können Sie die groben Schritte der Konzeptionsphase skizzieren und was darin passiert?)

Vertrieb und Konzeption gehen bei uns als technischer Dienstleister fast fließend ineinander über. Der Ablauf hängt sehr von den Wünschen des Kunden ab. Bei uns läuft es meistens so:

* Grundsätzliche Ideenfindung, Zielgruppenanalyse, Konkurrenzanalyse: Was braucht der Kunde?
* Präsentieren der groben Konzeptideen beim Kunden
* Grobe Kalkulation, was Feinkonzeption und Umsetzung der einzelnen Teilprojekte Kosten
* Kunde überlegt, welche Konzepte er umsetzen lassen will
* Verbindliches Angebot
* Erstellung eines detailliertem Clickdummys
* Kleiner Usabilitytest anhand des Clickdummys
* Abnahme des Clickdummys beim Kunden
* Design und Abnahme des Designs beim Kunden
* Umsetzung
* Usabilitytest
* Endabnahme

> Wie halten Sie die Ergebnisse der Konzeptionsphase fest?

Wir nutzen das Clickdummytool „Axure„. Alle Konzeptänderungen und Erkenntnisse werden vom Konzeptioner hier eingepflegt. So haben sowohl der  Kunde also auch Designer und Entwickler immer den aktuellen Stand vor sich.

> Wie entdeckt man Fehler und falsche Entscheidungen im Konzept? Wie kann man sie verbessern?

Die Erstellung des Clickdummys zwingt den Konzeptioner schon sehr früh dazu, alle möglichen Fälle zu bedenken. Bei einem kleinen Uabilitytest anhand des Clickdummys erkennt man weitere Schwächen.

Feedback von Entwicklern und Designern hilft mir als Konzeptioner auch, Konzeptfehler zu finden und zu vermeiden.

Trotzdem fällt so manche Schwäche im Konzept aber erst ganz am Schluss auf. Bisher ging das aber dank flexibler Programmierung immer gut aus.

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