User Experience Design-Kata: Im Trainingslager zum Methoden-Knowhow

Donnerstag, 21. Juni 2018

In fünf Minuten als Pair das Bedienkonzept einer Büro-Webseite erstellen? Und das auch noch ohne Text und nur auf einer Seite? – Klingt erstmal unglaublich und ein wenig ist es das auch. In unserer Kata haben wir wenig Zeit und harte Randbedingungen genutzt um uns weiterzuentwickeln.

Doch zunächst mal einen Schritt zurück. Am Anfang stand die Fragestellung ob man die aus dem Software Craftsmenship bekannte Idee der Coding Dojos bzw. Katas auch in den Bereich User Experience Design übertragen kann.

Im Netz finden sich dafür kaum Beispiele oder Berichte, daher blieb uns nichts anderes übrig als die Erfahrung aus der Entwicklung zu übertragen.

Was ist das Ziel einer Kata?

Die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten durch gemeinsames Üben an einfachen Lehrbeispielen.

Was tut man in einer Kata?

Es gibt verschiedene Formate. Allen gemein ist, dass es um das üben und lernen von Techniken geht und nicht um das Ergebnis. Oftmals sind es kurze, mehrfach wiederholte Übungen versehen mit Feedback von Peers. Katas sollten in einer sicheren Umgebung stattfinden in denen man auch Unbekanntes ausprobieren kann.

Woher kommt der Begriff „Kata“?

Der Begriff stammt aus der japanischen Kampfkunst. Damit werden in der Regel hochfrequente Übung einfacher Bewegungsabläufe bezeichnet um diese zu automatisieren.

Als Ergebnis haben wir in einem halben Tag 3 Übungssessions durchgespielt. Wir hatten eine gute Größe, um effektiv die Kata durchführen zu können: Janine, Nina, Roman und Ali als TeilnehmerInnen und Oti als Moderator. Die Aufgabe war ein Beispiel aus unserem Alltag: Es ging darum per Webseite einen passenden Schreibtisch zu finden und zu reservieren (siehe Anhang). Die Aufgabe war aus dem Bereich Konzeption und Informationsarchitektur. Ob eine UXD-Kata auch User Interface Design funktioniert, wäre ein weiterer Versuch wert.

 

Session 1 (30 Minuten):

In Zweierteams wurde ein Konzept auf Papier entwickelt. Eine Person hatte dabei die aktive Ausarbeitungsrolle, während die andere Person im Pair als Berater fungiert hat. Alle 5 Minuten wurden die Rollen gewechselt und als Clou: Es wurde in der Konzeption wieder von Null angefangen.

 

„Ich finde es sehr spannend zu sehen, wie man durch Wiederholungen von Methoden – in unserem Fall Paper Prototyping – unglaublich an Fahrt aufnimmt in der Umsetzung.“ (Nina)

Janine_und_Ali_beim_Paper_Prototyping

Janine und Ali beim Paper Prototyping

 

Session 2 (30 Minuten):

Die Teams wurden neu zusammengewürfelt. Auf Teilnehmerwunsch mit Hintergrundmusik wurde diesmal teilweise im Werkzeug gearbeitet allerdings mit einer zusätzlichen Anforderung an das Ergebnis. Der Fokus war diesmal weniger auf der Konzeption an sich sondern lag eher darin, die Qualität des Ergebnisses zu erhöhen. Auch diesmal wurde alle 5 Minuten gewechselt und bei Null angefangen.

 

„Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Hätte nicht gedacht, dass ich zu Axure noch eine Reihe an Tricks lerne!“ (Roman)


Roman und Nina arbeiten mit Axure

Session 3 (30 Minuten):

In wiederum neuen Paarungen kamen diesmal eine Reihe an harten Randbedingungen dazu. Die Anwendung sollte auch für Senioren bedienbar sein, zudem auf einer Seite, ohne Text und mit möglichst wenigen Klicks. Anders als zuvor durfte diesmal an den Entwürfen weitergearbeitet werden, aber weiterhin im Wechsel.

„Durch die Randbedingungen war man gezwungen ganz neu zu denken. Fand ich die spannendste Übung“ (Ali)

„Die Einführung von Randbedingungen hat nochmal zusätzlich Abwechslung gebracht und die Kata-Erfahrungen weiter aufgewertet.“ (Janine)

Link zum Ergebnis: Axure Wireframes

Zwischen den Sessions wurden die Ergebnisse kurz vorgestellt und es gab eine Mini-Retrospektive zu der jeweiligen Übung. Sowie eine kurze Pause.

Am Ende stand noch eine gesamte Reflexion des Tages.

Oti bei der abschließenden Feedback-Runde

Das Fazit: Katas funktionieren auch im UXD Bereich sehr gut und machen Lust auf mehr. Generell war der Wunsch sich weiter zu öffnen um z.B. auch Product Owner dabei zu haben oder auch UX Designer von Kunden und Partner mit einzubinden.

Der halbe Tag war gut investierte Zeit, werden wir sicher wieder machen und können wie auch euch nur empfehlen. Falls jemand dabei Unterstützung mag, könnt ihr euch gerne an uns wenden!

— ANHANG —

UXD-Kata

Ziel:

Verbesserung der eigenen Fähigkeiten durch gemeinsames üben an einfachen Beispielen.

 

Was ist eine Kata?

Beispiele, die als Lehrbeispiele konstruiert wurden um bestimmte Techniken zu üben. Wichtig: Es geht um die Techniken, nicht um das Ergebnis. Katas sollten in einer sicheren Umgebung stattfinden in denen man auch Unbekanntes ausprobieren kann. Sie sind auf kurze Übungen fokussiert oft versehen mit Feedback von Peers.

 

Ablauf:

Es gibt keinen per se festgelegten Ablauf, sondern jede Kata ist unterschiedlich. Unser heutiger Plan ist:

  • Kurze Vorstellung und Rückfragen zur Aufgabe
  • 2er Teams, die an der Aufgabe arbeiten. Eine Person designed, die andere Person berät und gibt Tipps. Alle 5 Minuten wird gewechselt. Dabei wird das bestehende Design weggeworfen und neu erstellt (Nicht daneben gelegt!!!)
  • Die Kata findet in 3 Sessions a 30 Minuten, mit jeweils wechselndem Partner:
    • In der ersten Session geht es um das Problem an sich
    • In der zweiten Session um zusätzliche Anforderungen
    • In der dritten um gezielte Design-Einschränkungen
  • Nach jeder Session gibt es ein gemeinsames Feedback, sowie eine kurze Pause.
  • Am Ende findet eine (kurze) Gesamtreflexion statt

 

Aufgabe Kata 1

Entwerfe die Benutzeroberfläche einer Anwendung mit der insFX-Mitarbeiter in Zukunft ihre Schreibtische auswählen können. (Fokus auf Informationsarchitektur, nicht auf Design der Anwendung)

Alle bei insFX verfügbaren Schreibtische sollen angezeigt werden (Hinweis: Dateneingabe ist nicht Teil der Kata). Zu jedem Tisch werden die Ausstattungsmerkmale angezeigt:

  • Am Fenster: Ja/Nein
  • Monitor/Ja/Nein
  • Festnetztelefon: Ja/Nein/Nummer.
  • Höhenverstellbarer Tisch: Ja/Nein.
  • Projekt-Auswahl (=Nähe von anderen Mitarbeitern des Projekts): Liste

Als Mitarbeiter kann ich anhand der genannten Kriterien suchen und mir jederzeit einen freien Schreibtisch auswählen.

Die Lösung soll alle praxisrelevanten Fälle (z.B. Urlaub) abbilden können. Der Default-Fall ist, dass ich von einem Tisch an einen anderen umziehe und somit beim Auswählen den vorigen Tisch freigebe.

 

Aufgabe Kata 2

Zusätzlich soll auch die Suche nach Mitarbeitern unterstützt werden (“Wo sitzt X”). Zudem soll ich alle Plätze auswählen können und angezeigt bekommen wer gerade an dem Platz sitzt.  

 

Aufgabe Kata 3

Zufällige Auswahl eines Constraint pro Team:

  • Minimale Klickzahlen
  • Alles auf einem Screen
  • Ohne Text
  • Bedienbar für Senioren (sehr große Flächen + Schriften)